Freitag, 11. April 2014

Gesellschaft Boden und Gesundheit e.V., Teil 1


I. Die Anfänge und der formale Rahmen

Von Dr. Brunhilde Bross-Burkhardt

Die Gesellschaft Boden und Gesundheit e.V. wurde nach dem 2. Weltkrieg zu einem wichtigen Vorläufer für die Öko-Bewegung in Deutschland. Zur Verbreitung des Wissens über ökologische Zusammenhänge sowie über Boden, organische Düngung, Ernährung und Gesundheitsfragen gab sie das gleichnamige Nachrichtenblatt heraus. Der Verein wurde 1988 aufgelöst.

Wolfgang von Haller und einige Gleichgesinnte gründeten 1949 in Lienen/Westfalen die „Gesellschaft Boden und Gesundheit“ e.V., weil sie die Lebensgrundlagen der Menschheit bedroht sahen. Sie sahen diese Entwicklung aber nicht als unabwendbares Schicksal, sondern wollten ihr auf der Basis ganzheitlicher Erkenntnisse aktiv entgegenwirken. Sie sahen Boden, Ernährung und Gesundheit als eine Einheit an und sie gaben dem Verein deshalb den Namen „Gesellschaft Boden und Gesundheit e.V.“. Die Gründungsmitglieder stellten sich die Aufgabe, in allen Fragen gesunder Lebensführung zu beraten. Dazu sollte die Herausgabe einer Zeitschrift und verschiedener Schriften sowie die Einrichtung einer Bücherei und Unterrichtungsstelle dienen. Daneben war die Veranstaltung von Vorträgen, Aussprachen, Arbeitstagungen, Ausstellungen sowie Besichtigungen vorgesehen.

Anzeige in Unser Hof, einem Jahreskalender für 1950, erschienen im Siebeneicher Verlag.





Aktivitäten der Gesellschaft in der Anfangszeit
Von Anfang an war die Gesellschaft international ausgerichtet. Das hat mit der Lebensgeschichte Wolfgang von Hallers zu tun, der viele Jahre im Ausland gelebt und gearbeitet hatte, u.a. in Kanada und in China. Wolfgang von Haller wurde 1905 in Reval (heute Tallinn) in Estland als Sohn eines Arztes geboren. Er studierte Landwirtschaft, hat das Studium aber wohl nicht zu Ende geführt, denn er gab als Berufsbezeichnung immer „Landwirt“ an. Die Gesellschaft Boden und Gesundheit war auf die Person Wolfgang von Haller abgestimmt. Wolfgang von Haller siedelte sich 1946 in Lienen bei Lengerich in Westfalen an. Seine Mutter und seine beiden Geschwister Albert und Martha kamen später ebenfalls nach Lienen. Die Familie wohnte in einer umgebauten Scheune und versorgte sich aus einem gepachteten 600 Quadratmeter  großen Garten weitgehend selbst.

Die Gesellschaft begann – ihrer selbst gestellten Aufgabe gemäß – zunächst mit der Herausgabe einer Broschürenreihe mit dem Titel „Unsere Aufgabe“. Dabei handelte es sich um eine Art programmatische Zeitschrift. Sie erschien von 1950 bis 1953 mit jährlich einer Ausgabe im DIN-A5-Format. In der dritten Ausgabe (1952) dieser Broschürenreihe veröffentlichte der Fachbeirat der Gesellschaft einen ausführlichen, grundlegenden Artikel über das Kompostieren. Die Themen organische Düngung und Förderung der Bodenfruchtbarkeit waren wesentliche Anliegen der Gesellschaft, ebenso der Einfluss der Düngung auf die Nahrungsmittelqualität. Wolfgang von Haller setzte sich sehr früh intensiv mit der Pestizidproblematik, vor allem mit den schädlichen Auswirkungen des DDT auf die menschliche Gesundheit, auseinander und publizierte darüber, lange bevor das Thema in der Öffentlichkeit bekannt wurde. Eine seiner wichtigsten Arbeiten war die Dokumentation „Vergiftung durch Schutzmittel“, die 1956 im Stuttgarter Hippokrates-Verlag erschien. Die Mitglieder der Gesellschaft engagierten sich für eine gesunde Ernährung mit viel Obst und Gemüse und Vollkornprodukten, um den Zivilisationskrankheiten vorzubeugen. Sie setzten sich 1958 für die Freigabe roher Milch ein.

1960 lud die Gesellschaft zu einer mehrtägigen Tagung über Gesundheit, Gartenbau und Landbau nach Bad Pyrmont ein. Den Gartenbau-Lehrgang leitete der Gartenarchitekt Max K. Schwarz aus Worpswede, der durch seine Gärtnerhof-Idee bekannt geworden ist. Den Landbau-Lehrgang gestalteten Almar von Wistinghausen, Max K. Schwarz und Wolfgang von Haller. Ein ausführlicher Bericht über diese Tagung erschien in der Nr. 36 der Zeitschrift Boden und Gesundheit. 1961 folgte ein Seminar „Neuzeitlicher Landbau“ im Jugendhof Sachsenhain bei Verden a. d. Aller. Danach verlagerten sich die Aktivitäten der Gesellschaft nach Süddeutschland.

Vorstand und Ehrenbeirat
1. Vorsitzender 1949-1962 Dr. med. Otto von Schröder
1. Vorsitzender 1962-1972 Erhard Hennig, Bodenforscher, Buchautor
1. Vorsitzender 1972-1976: Johannes Schwenk, Schulrat
1. Vorsitzender 1976-1981: Wolfgang von Haller, Landwirt
1. Vorsitzender 1981-1988: Berthold Burkhardt, Diakon, Leiter des Gärtnerhofs Wacholderhof

Dem Ehrenbeirat der Gesellschaft gehörten Wissenschaftler und einflussreiche Persönlichkeiten auf der ganzen Welt an, u.a. Lady Eve Balfour, Lady Louise E. Howard, Prof. Dr. Werner Kollath, Dr. h. c. Ehrenfried Pfeiffer, Prof. Dr. Walter Sauerlandt, Prof. Dr. André Voisin.

(Fortsetzung folgt)


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